Der Wecker klingelt zu spät, das Kind will nicht in die Kita, der Kaffee steht noch unangetastet in der Küche, und eigentlich sollte man längst unterwegs sein. Dann noch ein Stau, eine rote Ampel, ein Blick aufs Handy, und plötzlich wird aus einem normalen Morgen eine Situation, in der ein falscher Moment über viel entscheiden kann.
Solche Momente kennen viele Menschen. Genau dann, wenn Zeitdruck und Emotionen zusammenkommen, steigt auch das Risiko für unüberlegtes Verhalten im Straßenverkehr. Kleine Fehler passieren schneller, die Geduld sinkt und die Aufmerksamkeit leidet.
Stress im Straßenverkehr ist genau deshalb auch das Schwerpunktthema der diesjährigen Kampagne „Hauptsache ankommen“. Anlässlich des Tags der Verkehrssicherheit am 20. Juni haben wir dazu eine Straßenumfrage in Potsdam durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Viele Menschen erleben Stress, Ungeduld und emotionale Belastungen als zunehmende Herausforderung im Straßenverkehr.
Das Reel mit den Antworten der Potsdamer:innen findet Ihr hier auf unserem Instagram-Kanal.
Stress als Risikofaktor
Auf die Frage, was aus ihrer Sicht zu Fehlverhalten im Straßenverkehr führt, nannten viele Befragte ähnliche Ursachen: Stress, Streit, Schlafmangel, Unkonzentriertheit und zunehmende Aggressivität.
Dabei wurde deutlich, dass sich viele Menschen im Straßenverkehr immer häufiger einem angespannten Miteinander gegenübersehen. Rücksichtslosigkeit, Ungeduld und Konflikte aus dem Alltag setzen sich oft direkt auf der Straße fort. Schon kurze Momente der Überforderung reichen aus, um riskante Entscheidungen zu treffen oder die Situation anderer Verkehrsteilnehmender falsch einzuschätzen.
Aggressionen gehören für viele zum Alltag
Dass dieses Empfinden kein Einzelfall ist, zeigen auch aktuelle Zahlen des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR). Eine Umfrage des DVR macht deutlich, dass Aggressionen im Straßenverkehr weit verbreitet sind. So geben 45 Prozent der Befragten an, sich darüber zu ärgern, wenn andere Verkehrsteilnehmende konsequent die vorgeschriebene Geschwindigkeit einhalten.
Gleichzeitig berichten viele Menschen, dass sie selbst durch dichtes Auffahren oder Drängeln unter Druck gesetzt werden. Die Folge sind Stress, Unsicherheit und gereizte Reaktionen. Eine deutliche Mehrheit der Befragten spricht sich deshalb für strengere Sanktionen und mehr Aufklärung über respektvolles Verhalten im Straßenverkehr aus.
Auch der DVR betont: Mehr Rücksichtnahme und Gelassenheit aller Verkehrsteilnehmenden sind entscheidend, um Konflikte zu vermeiden und die Sicherheit auf den Straßen zu verbessern.
Hinter jeder Zahl stehen Menschen
Wie wichtig dieses Thema bleibt, zeigt auch ein Blick auf die aktuelle Verkehrsunfallbilanz in Brandenburg. Im Jahr 2025 registrierte die Polizei 73.658 Verkehrsunfälle. Dabei wurden 11.065 Menschen verletzt, 127 Menschen verloren ihr Leben.
Hinter jeder Zahl stehen persönliche Schicksale, Familien und Menschen, deren Leben sich innerhalb weniger Sekunden grundlegend und unwiederbringlich verändert hat.
Der Tag der Verkehrssicherheit
Der Tag der Verkehrssicherheit wurde vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) ins Leben gerufen und findet seit 2005 jedes Jahr bundesweit statt. Ziel des Aktionstags ist es, die Öffentlichkeit für die Gefahren im Straßenverkehr zu sensibilisieren und aufzuzeigen, wie Verkehrssicherheit im Alltag konkret verbessert werden kann.
Im Mittelpunkt steht dabei die Vision Zero, also die langfristige Vision, keine Verkehrstoten und Schwerverletzten im Straßenverkehr mehr zu haben. Kommunen, Polizei, Verkehrswachten und zahlreiche Initiativen nutzen den Tag, um mit Aktionen, Gesprächen und Informationen für mehr Sicherheit zu werben.
Hauptsache ankommen
Auch die Potsdamer:innen hatten klare Antworten darauf, was helfen kann: ausreichend Zeit einplanen, aufeinander Rücksicht nehmen, gelassen bleiben und sich bewusst machen, dass wenige eingesparte Minuten niemals wichtiger sind als die eigene Sicherheit oder die anderer Verkehrsteilnehmender.
Genau diese Botschaft steht im Mittelpunkt der Kampagne „Hauptsache ankommen“. Mit Aussagen wie „Lieber langsam. Lieber leben.“, „Lieber halten. Lieber leben.“ oder „Lieber gechillt. Lieber leben.“ erinnert sie daran, worauf es im Straßenverkehr wirklich ankommt: sicher ans Ziel zu gelangen.
Denn Verkehrssicherheit beginnt nicht erst bei Verkehrsregeln oder Tempolimits. Sie beginnt bei der Entscheidung, auch in stressigen Situationen ruhig zu bleiben, Rücksicht zu nehmen und sich daran zu erinnern, was wirklich zählt: Hauptsache ankommen. Die aktuellen Kampagnenmotive gibt es hier zum Download.











